13.11.2014

Weil Menschlichkeit zählt – Sterne des Sports


Ein zweiter Platz, ein bronzenes Zeichen zum Aufstellen und 500 € Preisgeld? Nein, es handelt sich nicht um einen Wettkampf von sportlichen Leistungen, sondern um die Verleihung der Sterne des Sports, die seit 2004 jedes Jahr vom Deutschen Olympischen Sportbund und den Volksbanken Raiffeisenbanken vergeben werden. Bei der Bewertung liegen hierbei nicht sportliche Glanzleistungen im Vordergrund, sondern das soziale Engagement und der gesellschaftliche Einsatz innerhalb des Breitensports.

Davon haben wir bei uns in der Tischtennisabteilung des TGV Abstatt einiges vorzuweisen: Neben dem sozialen Miteinander im Verein bei Ausflügen, dem alljährlichen Saison-Vorbereitungs-Camp (SaVoCa) oder dem speziellen Förderkonzept arbeiten wir auch über die Grenzen unserer Abteilung hinaus. Nicht nur in Kooperation mit der Grundschule (Jugend trainiert für Olympia) und dem Ferienexpress, sondern auch generationsübergreifend, zum Beispiel bei dem Eltern-Kind-Turnier zur Feier unseres 40. Jubiläums, engagieren wir uns immer wieder.

Darauf wurden auch die Juroren aufmerksam; dank der herausragenden Bewerbung unseres Öffentlichkeitsarbeiters und Jungen U18 II Spielers Raymund Hackett, haben sie den Tischtennisverein TGV Abstatt mit 80 von 90 möglichen Punkten und dem zweiten Platz ausgezeichnet.

Den ersten Platz machte der Rollstuhlverein Heilbronn (RSV), zu dem es für uns dann auch zu der Preisverleihung ging. Nach der Überreichung des bronzenen Sterns und des Preisgelds im Wert von 500 € für den zweiten Platz, den wir uns mit der Seniorentanzgruppe ,,Tanzmäuse“ aus Bad Wimpfen teilten, wurde das Engagement des RSV geehrt. Seit der Gründung des Vereins vor 20 Jahren organisieren sie Sportangebote für Rollstuhlfahrer und engagieren sich besonders für die ,,Überwindung der Barriere, der unsichtbaren Wand zwischen Behinderten und Fußgängern“, so der Vorsitzende Andreas Fenske. Schon drei Mal hat der Verein einen kleinen bronzenen Stern gewonnen. Diese Jahr war es ein Großer, verbunden mit einer Prämie von 1000 €; doch dabei sollte es nicht bleiben. Überraschend wurde der RSV auch für den zweiten Platz auf Landesebene, verbunden mit einem silbernen Stern, ausgezeichnet. Dafür stiegen einigen Vereinsmitgliedern sogar die Tränen in die Augen.

Im Folgenden zeigte ein Paar aus der Tanzgruppe der RSV Tanzabteilung, dass man auch im Rollstuhl sowohl langsames wie Walzer, aber auch schnelleres elegant tanzen kann.

Für den Rest des Abends stand der Austausch untereinander auf dem Programm. Ob kommunikativ am Buffet oder sportlich aktiv an den Netzen: Es war für Jeden etwas geboten. Neben den Möglichkeiten beim Basketball, Tischtennis, Federball oder Tanz mitzumachen standen auch einige Rollstühle zum Perspektivenwechsel für Fußgänger bereit. Das haben die anwesenden Vertreter unseres „gesellschaftlich offenen“ Vereins sich natürlich nicht entgehen lassen. Es wurde munter durch die Halle gerollt, geworfen und vor allem gelacht.

Doch neben dem Spaß an der Sache darf nicht vergessen werden, dass es genau diese Momente sind, die klar machen, wie gut es einem selbst doch geht, dass man nach dem Spiel einfach wieder aus dem Rollstuhl aufstehen kann. Gleichzeitig kommt Bewunderung auf, wie gut gehandikapte Menschen ihr Leben doch meistern und mit Lebensfreude füllen können. Und genau um diese Erkenntnis, dass das Miteinander, Respekt und die Beseitigung von gesellschaftlichen Grenzen unheimlich wichtig sind, geht es bei den Sternen des Sports und wir sind unheimlich dankbar, dabei gewesen sein zu dürfen.

 

Thomas Schönfuß (3.v.l) nimmt als Repräsentant der gesamten Tischtennisabteilung den Check entgegen

 
 

Daniela Fetzer (links) in ihrem Element, doch ihr Gegner hat zwei Räder und befindet sich nicht nur ihr gegenüber

 
 

Raymund Hackett versucht sein Glück am Korb, während Thomas Schönfuß(hinten) sein Bestes gibt, den Rollstuhl, Schläger und Ball zu koordinieren – nicht immer mit Erfolg.

 

Svenja Capitain


 
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