Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

"Sonne, Regen und Gewitter" - So lautete die vielsagende Radio-Wettervorhersage für Donnerstag, den 28. Juli 2011. Wir waren also auf alles vorbereitet, als wir um 10 Uhr morgens vom Vereinszentrum aus zu unserem Jugend-Jahresausflug aufbrachen. Vorletztes Jahr hatten wir auf der Lutz-Sigel-Hütte gegrillt, letztes Jahr waren wir in Tripsdrill Achterbahn gefahren, dieses Jahr hieß das Ziel Neckarsulm. Genauer gesagt der Wilfenseeweg 70. Genauer gesagt ... das Aquatoll!
Der extra für uns gemietete Gemeindebus und die Autos unserer hilfsbereiten Eltern brachten uns aber nicht direkt zum beliebtesten Spaß- und Erlebnisbad dies- und jenseits des Neckars. Das mussten sich die 22 Mädchen und Jungs erst einmal verdienen. Gemeinsam mit den erfahrenen Pfadfindern Niklas und Simon wurde die ganze Truppe in Erlenbach ausgesetzt, ab hier waren wir auf uns alleine gestellt. Zu Fuß musste das Aquatoll erreicht werden, eine kleine Wanderung über Feld und Wiesen, Wald und Weinberge stand bevor.
Auch wenn der Himmel den ganzen Weg über bedeckt war, die Wolken hielten dicht, kein Regen, milde Temperaturen - ein optimales Wanderwetter. Tapfer marschierten unsere Jugendlichen Richtung Neckarsulm, das heiß ersehnte Ziel immer fest vor ihrem inneren Auge. Nach circa einer Stunde erreichten wir als Etappenziel den Waldspielplatz Schweinshag, den die Jungs und Mädels sofort mit Begeisterung stürmten. Doch Moment! Einer fehlte. Torsten, seines Zeichens Trainer, Abteilungsleiter und am heutigen Tage Herr des Gemeindebusses, hatte eigentlich von Erlenbach aus direkt zum Schweinshag fahren und uns von dort aus entgegenlaufen sollen. Doch am Abenteuerspielplatz stand nur einsam der Gemeindebus, von Torsten keine Spur. Gerade hatte Simon seine Nummer ins Handy getippt, da kam von hinten eine Stimme: "Ich bin hier!" Ein um Luft ringender, durchgeschwitzter Torsten kam auf den Spielplatz. Er hatte auf der Suche nach uns den falschen Weg eingeschlagen, die von Simon handgezeichnete Karte war wohl zu undeutlich gewes en.
Nun wieder alle vereint machten wir am Schweinshag Mittagsrast, stärkten uns mit mitgebrachten Leckereien und tobten uns an Spielgeräten und einem Volleyball aus. Nach gut einer Stunde brachen wir auf zum zweiten Teil der Wanderung. Durch die Weinberge sollte es hinauf zum Aussichtspunkt auf dem Scheuerberg gehen, doch erneut wurde die Gruppe durch das Schicksal auseinandergerissen. Gerade hatten die Wanderer sich einen mit Farnen bewachsenen Geheimpfad hinauf gearbeitet, da erreichte die Betreuer die schlimme Kunde: Eine Person, die nicht genannt werden möchte, hatte auf dem Weg einen Gegenstand verloren, von dem die Person, die nicht genannt werden möchte, nicht möchte, dass dieser genannt wird. Also spalteten wir einen kleinen Suchtrupp ab, der die "Geheimmission Wiederbeschaffung" in Angriff nahm. Der Rest der Gruppe ging vor Richtung Scheuerberg. Als die meisten bereits die traumhafte Aussicht über Neckarsulm und die ganze Neckarebene bewundern durften und unten, am Fuß des Berges, auch schon das Aquatol l erblickten, kamen unsere Spürhunde zurück. Das Suchteam hatte Erfolg gehabt, die Person, die nicht genannt werden möchte, hatte den Gegenstand, von dem die Person nicht möchte, dass er genannt wird, wieder zurück.
Nachdem auch dieses Problem gelöst und die Gruppe ein zweites Mal glücklich vereint war, konnte uns nichts mehr aufhalten. Das Ziel nun nicht nur vor dem inneren, sondern auch vor dem richtigen Auge, preschten wir die Weinberge hinunter zum Aquatoll. Wenn irgendjemand Zeichen von Müdigkeit gezeigt hatte, nun waren sie wie weggeblasen. Vergessen alle Schmerzen und Entbehrungen der Wanderung, die rettende Oase war in Reichweite.
 

Mädels fit, Jungs platt? - Auf den letzten Metern der Wanderung, vom Aussichtspunkt auf dem Scheuerberg (Hintergrund) hinunter zum Aquatoll, machen (v.l.) Miriam und Anna den deutlich frischeren Eindruck als Manu und Alex.
 
Um kurz nach 14 Uhr erreichten wir das Aquatoll. Das Bad wurde sofort in Besitz genommen und drin blieb kein Auge trocken. Bis 19 Uhr hatten wir Zeit und wir nutzten jede Minute. Es wurde gerutscht, gesprungen und geschwommen, bei zwischenzeitlich herrlicher Sonne draußen gekickt, aber das Lieblings-Spiel hieß "Trainer-Tunken". Im Außenbecken der Wildwasserrutsche mussten sich der für den (scheinbar) entspannten Teil des Tages nachgekommene Alex und Simon ihren Jungs und Mädels stellen, im finalen Kampf auf Leben und Tod. Mindestens fünf Jugendliche bearbeiteten gleichzeitig einen Trainer, es wurde mit allen nur erdenklichen Tricks gearbeitet, um Alex und Simon irgendwie unter Wasser zu bekommen. Die Trainer wehrten sich wie Löwen, schlugen viele Angreifer in die Flucht, schafften es aber leider trotz aller Anstrengungen nicht immer, den Kopf über Wasser zu behalten.
Nach mehr als viereinhalb Stunden Toben und Riesen-Spaß hatte fast jeder seine Blessuren eingesteckt, ein paar blaue Flecken hier und dort, auch mal eine kleine Schürfwunde, aber alle unverletzt. Bei so viel Gaudi fiel es jedem schwer, das Aquatoll schließlich zu verlassen, aber es warteten weitere hilfsbereite Eltern und der Gemeindebus. Mit etwas Verspätung schafften wir es dann doch noch, uns loszueisen. Müde, erschöpft und kaputt standen die Teilnehmer des Jugendausflugs 2011, gehüllt in die Strahlen der langsam untergehenden Sonne, vor dem Aquatoll zum gemeinsamen Gruppenfoto, aber jeder hatte ein Lächeln auf den Lippen. Nach einem tollen Tag, ohne Regen und ohne Gewitter, verabschiedeten wir uns voneinander und alle zogen gen Sonnenuntergang, hinein in die Sommerferien.
 

Kaputt, aber glücklich: Jugendliche und Betreuer verabschieden sich nach einem spaßigen Ausflugstag in die Sommerferien.
 
Wir möchten uns ganz herzlich bedanken bei unseren netten Eltern, die sich auf Hin- und Rückweg als Fahrer zur Verfügung gestellt haben, bei Frau Matthes für die leckeren Muffins, die sie uns als Wegzehrung und als Geburtstags-Mitbringsel für ihren am Ausflugstag zwölf Jahre alt gewordenen Sohn Michael mitgegeben hat, bei Nachwuchs-Starfotograf Sven Mößner, der unterwegs viele super Bilder geschossen hat, bei Herrn Keck für die (nicht ganz einfache) Organisation des Abschluss-Gruppenfotos und bei allen anderen, die irgendwie in irgendeiner Form zum Gelingen des Tischtennis-Jugend-Jahresausflugs 2011 beigetragen haben!
Simon Leißler