31.7.2014

Jugend-Vereinsmeisterschaften 2014


Die Saison vorbei, die Turniere vorbei, doch ein großer Höhepunkt wartet traditionell noch auf die Abstatter Tischtennisjugend, bevor es in die Sommerpause geht. Am 28. Juni fanden die Jugend-Vereinsmeisterschaften 2014 statt, 25 Teilnehmer wollten in drei Konkurrenzen die Titel gewinnen – oder sich wenigstens so gut wie möglich verkaufen. Am Morgen startete der Wettbewerb mit den Anfängern und U12-Spielern, von denen sich jeweils die besten vier Mädchen und Jungen für die Nachmittags-Konkurrenzen der Mädchen U18 und Jungen U18 qualifizieren konnten.

 

Tobias Mödinger siegt nach Herzschlag-Finale


Es ist nicht einfach, Favorit zu sein. Den Wahrheitsgehalt dieser oft zutreffenden Sportlerweisheit musste Tobias Mödinger in der jüngsten Vereinsmeisterschaftskonkurrenz am eigenen Leib erfahren. Der Titelträger von 2013, der als einziger im Turnierfeld, obwohl eigentlich vom Alter her noch U12-Spieler, in der abgelaufenen Saison (und auch in der davor) schon in einer U18-Mannschaft gespielt hatte, ging als Gold-Kandidat Nummer 1 ins Rennen – eine gewaltige Last auf jungen Schultern, wie sich im Verlauf des Wettbewerbs herausstellen sollte.

Zu Beginn wurden die elf Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt, jeder gegen jeden auf zwei Gewinnsätze. Während sich Tobias hier klar und ohne Satzverlust durchsetzen konnte, gab es Spannung vor allem in der anderen Gruppe, in der sich die beiden U12-1-Asse Victoria Merz und Lukas Schönfuß gegenüberstanden. Die Teamkollegen lieferten sich ein feuriges Duell, das am Ende Lukas mit 2:0 für sich entschied. Ein Sieg mit Bedeutung, denn so war klar, dass Lukas – Silber-Medaillen-Gewinner 2013 – erst im Finale auf seinen letztjährigen Endspiel-Bezwinger Tobias treffen konnte, Victoria aber bereits im Halbfinale.

In den Viertelfinals, ab denen nun auf drei Gewinnsätze gespielt wurde, gewann Tobias sicher gegen Erstmals-Teilnehmer Hendrik Plaßmann (3:0) und auch die beiden Hauptkonkurrenten zeigten keine Schwächen: Victoria bezwang ihre jüngere Schwester Rebecca mit 3:0, Lukas gewann gegen David Drescher mit dem gleichen Ergebnis. Es kam also zum – nach den Gruppenergebnissen – erwarteten Halbfinale Tobias gegen Victoria, im anderen Duell um den Einzug ins Endspiel standen sich Lukas und Justin Jung gegenüber, der bei seiner Vereinsmeisterschafts-Premiere im Viertelfinale in einem mehr als umkämpften Spiel gegen Lukas jüngeren Bruder Robin als Sieger vom Tisch gegangen war. Und nun spürte Tobias den Druck des Favoriten. Eine ambitioniert aufspielende Victoria brachte den Titelverteidiger in erhebliche Bedrängnis. Victoria – nach einer großartigen Saison und super Turnierergebnissen mit großem Selbstvertrauen – spielte voll offensiv, Tobias wirkte teilweise wie erstarrt. Rein defensiv agierend taumelte der Vorjahressieger – aber er fiel nicht. Sicherheit und Routine halfen ihm zu einem engen 3:1-Sieg. Im Parallelspiel war es dagegen eine klare Angelegenheit, Lukas bezwang Justin mit 3:0. Die Wiederauflage des 2013-Finals war gesetzt und es sollte dramatisch werden.


Lukas, ohne Druck und mit Spiellaune, agierte locker und kämpferisch, Tobias bekam es neben seinem guten Gegner erneut mit seinen Nerven zu tun. Das Match wogte hin und her – bis in den Entscheidungssatz. Nur dieses Spiel in der Halle, alle Augen auf die beiden Kontrahenten gerichtet, konnte sich Lukas eine Führung erkämpfen, als Tobias immer stärker mit den Erwartungen zu kämpfen hatte. Punkt für Punkt ging verloren, Lukas agierte sicher und weiterhin locker – und dann stand es 10:7. Lukas hatte drei Matchbälle zum Vereinsmeistertitel, er sah wie der sichere Sieger aus. Doch in dem Moment, als er nichts mehr zu verlieren hatte, wich der Druck vom Titelverteidiger. Mit Mut und der allerletzten Hoffnung warf sich Tobias noch einmal zurück in den Kampf. 10:8, 10:9 …. 10:10! Voll konzentriert, mit Können und auch ein wenig Glück hatte Tobias alle drei Matchbälle abgewehrt und wollte sich den Sieg nun nicht mehr nehmen lassen. Nun mit Selbstbewusstsein und eisernem Biss erkämpfte er sich selbst einen Matchball – konnte diesen aber nicht nutzen. Doch die zwei folgenden Punkte machte er – und war erlöst. Sieger gegen einen sehr starken Kontrahenten, Sieger gegen sich selbst und zweifacher Gold-Medaillen-Gewinner bei U12-Vereinsmeisterschaften, der einzige Junge, der dies bisher geschafft hat.

Doch auch der unterlegene Finalgegner freute sich, die vergebene Chance war schnell verdaut und Lukas glücklich mit einer verdient gewonnenen und starken Silber-Medaille. Im Gegensatz zu Tobias, der kommende Saison auch offiziell U18 spielen muss und damit nicht mehr im jüngsten Wettbewerb teilnehmen kann, hat Lukas noch ein weiteres Jahr, um sich seinen Titeltraum zu erfüllen. Doch die Konkurrenz ist da, sicherlich besonders durch Victoria, die mit einem glatten 3:0 gegen Justin im Spiel um Platz drei noch einmal ein klares Statement abgab und Bronze gewann. Und nur etwas weiter hinten wartet auch schon die nächste Generation. Im Aufeinandertreffen der jüngeren Geschwister siegte Robin im Spiel um Platz 5 mit 3:0 gegen Rebecca – vielleicht das Duell von übermorgen.

 

Alle U12-Teilnehmer dürfen stolz sein: (v.l.) Rebecca Merz, Lea Capitain, Hendrik Plaßmann, David Drescher, Lukas Schönfuß (Silber), Tobias Mödinger (Gold), Victoria Merz (Bronze), Justin Jung, Robin Schönfuß, Enfa Kiraz, Luca Stoll

 

Eine Handvoll für Daniela Fetzer


Befand sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu diesem Zeitpunkt auf der Jagd nach ihrem vierten Stern, war Daniela Fetzer schon einen Schritt weiter. Die Nummer 1 unserer Mädchen-U18-Mannschaft wollte ihren fünften U18-Veriensmeistertitel gewinnen, den fünften Titel in Serie. Die Fronten waren klar, es hieß auch 2014: Alle gegen Daniela. „Alle“ beinhaltete aber in diesem Jahr auch eine neue und bisher nur aus der Ferne bekannte Größe. Annalena Ogrodnik ist vom TGV Beilstein nach Abstatt gekommen und wird in der nächsten Saison die Mädchen 1 verstärken. Die Zwölfjährige ist eine starke Offensivspielerin mit bereits viel Turniererfahrung, bei den Vereinsmeisterschaften gab sie ihren Einstand in Abstatt.

Fünf Mädchen waren es insgesamt, die Daniela ihren fünften Titel verwehren wollten – doch die Dauersiegerin zeigte keine Zeichen von Sattheit. Im Modus jeder gegen jeden durften sich alle mit ihr messen, aber sie war nicht zu schlagen. Viermal 3:0 spielte Daniela, auch Neu-Abstatterin Annalena fand beim ersten Aufeinandertreffen mit unserer Abwehrstrategin kein durchschlagendes Mittel. Am nächsten dran war eine, die eigentlich an diesem Tag nicht in ihrer Topform war, doch gegen Daniela gab sie 110 Prozent. Saskia Kurtzhals, das Mädchen, gegen das Daniela in den letzten vier Jahren in der U18-Konkurrenz ihr einziges Einzel überhaupt verloren hatte (2011), bewies erneut, dass sie eine Gefahr für die Rekordsiegerin ist. Mit klugem und ambitioniertem Spiel forderte Saskia ihre Mannschaftskollegin bis in den fünften Satz, wo sich Daniela aber schließlich dann doch durchsetzen konnte. Erneut ohne Niederlage holte die 15-Jährige ihren fünften Titel.

Silber gewann nach einem starken Turnier Newcomerin Annalena mit souveränen vier Siegen und zeigte damit gleich, dass sie eine gute Unterstützung für ihre neue Mannschaft sein wird. Bronze ging an Saskias ältere Schwester Miriam. Nicht unerwähnt bleiben soll auch der gute U18-Einstand von U12-Bronzemedaillen-Gewinnerin Victoria Merz, die als Qualifizierte zeigte, dass sie durchaus auch schon mit den Großen mitspielen kann und am Ende punktgleich mit Saskia (Vierte) und Annika Brandt (Fünfte) mit einer Bilanz von 1:4 nur knapp wegen des schlechteren Satzverhältnisses Sechste wurde.

 

Fünf und immer noch nicht müde: Daniela Fetzer (Mitte) war auch in diesem Jahr die unangefochtene Königin, Silber gewann Neu-Abstatterin Annalena Ogrodnik (links), Bronze ging an Miriam Kurtzhals (rechts).

 

Zurück auf dem Thron


Eine Serie, die beinahe schon die Dimension einer Ära hat, nach 2007 hat es niemand geschafft, seinen Vereinsmeistertitel bei den Jungen U18 zu verteidigen, sieben Jahre sahen sieben unterschiedliche Sieger. Auch 2014 sollte die Serie der nicht möglichen Titelverteidigungen nach dem Weggang von Vorjahressieger Konstantin Stavrakidis nicht reißen – aber immerhin war es möglich, dass ein Spieler Gold holte, der bereits einmal ganz oben auf dem Podest gestanden hatte. 2012-Gewinner Michael Matthes hatte es nach Silber im letzten Jahr auf seinen zweiten Titel abgesehen, doch war dafür ein weiter Weg zurückzulegen. Auch sieben andere Jungs waren heiß auf den freien Thron, im Modus jeder gegen jeden waren neben Können auch Kondition und Wille entscheidend.

Bei seinem ersten U18-Gold hatte Michael lediglich einen einzigen Satz im ganzen Turnier verloren, nun waren es bereits im ersten Spiel zwei. Gegen seinen ehemaligen Doppelpartner Raymund Hackett musste Michael bereits richtig arbeiten, mit 3:2 setzte er sich aber am Ende durch. Aber auch die Partien der anderen Spieler gingen oft über die volle Distanz, überall wurde verbissen gekämpft. Michael musste ein weiteres Mal fünf Sätze überstehen, gegen Teamkollege Jens Mößner, und auch U12-Vereinsmeister Tobias ließ den Titelfavoriten beim 3:1 nicht ungeschoren davonkommen.

Die abgegebenen Sätze waren es, die dafür sorgten, dass im letzten Spiel des Turniers noch alles möglich war. Michael traf auf Mannschaftskamerad Marcus Mödinger, den Bronzemedaillen-Gewinner der Vorjahres, der trotz einer Niederlage gegen Jens nach wie vor in der Position war, Vereinsmeister werden zu können. Das Satzverhältnis zwischen den beiden U18-1-Spielern sagte, dass der, der im direkten Vergleich gewinnen würde, der Sieger des Turniers wäre – egal bei welchem Ergebnis. Damit gab es so zu sagen ein richtiges Endspiel, in diesem regierten aber eher die Nerven. Beide Spieler wollten das Risiko möglichst gering halten und so kam es eher zu Duellen mit Schnitt und Sicherheit als zu vielen großen Offensivaktionen. Nach einem verlorenen ersten Satz kämpfte sich Michael zurück ins Match, aber auch Marcus war nicht bereit, sich geschlagen zu geben. Im vierten Satz bei 2:1 für Michael war es nur Weniges, was die beiden trennte, in der Satzverlängerung verhinderte Michael einen Entscheidungsdurchgang und gewann mit 14:12 das Spiel und den Titel. Damit hatte er seinen Thron zurückerobert und ist der erste Spieler seit Rekordvereinsmeister Michael Käser (2003, 2005-2007), der mehr als einmal in der Liste der U18-Sieger auftaucht. Ob er es aber auch schafft, die Serie an sich zu beenden und Gold zu verteidigen, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen.

Marcus kam mit zwei Niederlagen auf den zweiten Platz, nur im Satzverhältnis vor seinem jüngeren Bruder Tobias, der nach dem nervös erkämpften U12-Titel vom Vormittag ein großartiges Turnier gespielt und gleich mehrere seiner einige Jahre älteren Kontrahenten geschlagen hatte. Auch im „Rückspiel“ des U12-Finals konnte er sich durchsetzen und bezwang Lukas Schönfuß erneut, diesmal mit 3:0. Auf den vierten Platz schaffte es Jens, der – ebenfalls nur im Satzverhältnis vorne – Raymund auf Platz 5 verwies. Zweitbester Spieler aus dem U12-Feld wurde Lukas als Sechster.

 

Zum zweiten Mal U18-Sieger: Michael Matthes (Mitte) gewann vor Marcus (links; Silber) und Tobias Mödinger (rechts; Bronze).

 

Ein herzlicher Dank geht auch 2014 wieder an die Volksbank, die uns jedes Jahr Sachpreise als Gewinne für die Spielerinnen und Spieler aller Konkurrenzen und aller Platzierungen zur Verfügung stellt. Vielen Dank für die treue Unterstützung!


Simon Leißler

 
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