8.7.2012
Jugend-Vereinsmeisterschaften 2012 - Teil 1

Schon seit Wochen liefen wieder die strategischen Spielchen, die Gerüchteküche brodelte. "Gehst du hin?" - "Ich weiß noch nicht, gehst du?" - "Und wie steht`s mit XY? Kommt der auch?"
Das große Taktieren im Vorfeld ist mittlerweile zur schönen Tradition vor Jugend-Vereinsmeisterschaften geworden, keiner will sich davor so recht festlegen, ob er kommt oder nicht, manch ein gewiefter Stratege versucht sogar bewusst den Eindruck zu erwecken, dass er wohl nicht teilnehmen wird, obwohl er es fest vorhat. Die möglichen Gegner in Sicherheit wiegen, vielleicht bleibt ein potenzieller Hauptkonkurrent ja wirklich zuhause, weil er denkt, es gehe auch sonst keiner hin. Und am Ende? Da ist es dann wie immer: ALLE sind sie dabei, nur wer wirklich triftige Gründe hat, bleibt zuhause, volles Haus und ein großartiges Teilnehmerfeld!
Nicht anders war es natürlich auch bei den Jugend-Vereinsmeisterschaften 2012, die am vorletzten Samstag im Abstatter Vereinszentrum ausgetragen wurden: stolze 34 Starter, eine Auslastung bis fast an die Kapazitätsgrenzen. In den drei Konkurrenzen "Anfänger/Jugend U12", "Mädchen U18" und "Jungen U18" wurden die Vereinsmeister dieses Jahres gesucht und in jeder der Turniergruppen war es der erhofft spannende Wettbewerb mit den großen Leistungen und Emotionen. Heute berichten wir vom morgendlichen Wettkampf unserer Jüngsten.
 
Anfänger/Jugend U12:
Oliver Schuster vergoldet sein Wohnzimmer
Man kann es nicht anders sagen: Er ist ein Phänomen. Oliver Schuster ist der Wunderknabe der Abstatter Vereinsmeisterschaften, die alljährliche Überraschung. Bereits seit 2008 ist Oli bei dem Turnier mit dabei, mit seinen damals erst sieben Jahren holte er als jüngster Teilnehmer im Feld gleich bei seiner Premiere die Bronzemedaille. Dass das kein Anfängerglück gewesen war, sondern ein frühes Aufblitzen von großem Talent, bewies der quirlige Blondschopf in den nächsten Jahren, immer beendete er das Turnier mit Edelmetall. 2009 verteidigte Oli seine Bronzemedaille, nach einer Pause im Jahr 2010 folgte 2011 Silber. Das, was die Geschichte von Oliver Schuster aber so besonders macht: Bei keiner seiner Vereinsmeisterschafts-Teilnahmen hätte irgendjemand mit ihm gerechnet - und jedes Mal hat er alle Zweifler zum Verstummen gebracht.
Krank, verletzt, anderweitig verhindert - die Liste der Probleme, mit denen Oli im Vorfeld von Vereinsmeisterschaften fast jedes Mal zu kämpfen hatte, ist lang. Meist trat er nach Wochen oder gar Monaten ohne Training am Turnier an, was dann jedes Mal passierte, hat einen Hauch von Zauberei. Unsicher? Chancenlos? Nicht in Form? Von wegen! Was für Boris Becker Wimbledon war, sind für Oliver Schuster die Vereinsmeisterschaften: sein Wohnzimmer. Jedes Mal, wenn die Begrüßungsrede gehalten ist, die Spieler an den Tischen stehen, die erste Ballwahl gemacht ist, gibt es für Oli kein Halten mehr. Als käme er direkt aus einem mehrwöchigen Trainingslager in China zurück, erreicht er nicht nur allem Trainingsrückstand zum Trotz binnen weniger Ballwechsel Normalform, sondern wächst weit über sich hinaus.
Ende April ist Oli zwölf geworden, die Vereinsmeisterschaften 2012 würden also Olis letzte Vereinsmeisterschaften im Anfänger-Bereich werden. Seit Ende der Rückrunde hatte ihn keiner mehr im Training gesichtet - doch einmal mehr packte er den Zauberstab aus.
17 Mädchen und Jungen wollten sich am Vormittag in der gemischten Konkurrenz der "Anfänger/U12" miteinander messen, dabei sowohl die schon erfahrenen U12-Mannschaftsspieler als auch viele Turnierneulinge. In zwei Gruppen wurde "jeder gegen jeden" auf zwei Gewinnsätze gespielt, die Plätze 1 bis 4 qualifizierten sich für die Viertelfinals.
 

"Wievielter bin ich gerade?" - "Gegen wen muss ich als nächstes spielen?" - Romina Maier (auf der richtigen Seite des Laptops) hatte die Turnierleitung fest im Griff und ließ sich auch durch die Dauerbefragungen seitens der hochinteressierten Teilnehmer nicht aus der Ruhe bringen.
 
Oliver Schuster hatte in seiner Gruppe keinerlei Schwierigkeiten, nicht mal einen einzigen Satz gab der Zwölfjährige ab. In der Runde der besten Acht traf er zuerst auf Maike Maier, die beim 0:3 aber nicht viel gegen den Vize-Vereinsmeister des letzten Jahres ausrichten konnte. Im Halbfinale wartete dann schon ein härterer Brocken. Obwohl einer der jüngsten Teilnehmer des Turniers, war Tobias Mödinger nach den herausragenden Leistungen in der abgeschlossenen Saison dem erweiterten Favoritenkreis zuzurechnen. Doch in einem engen Spiel behielt der Erfahrenere die Oberhand. Mit cleverem Platzierungsspiel und knallharten Vorhand-Schüssen besiegte Oliver Tobias mit 3:1 und zog ins Finale ein.
Im zweiten Halbfinale hatte Saskia Kurtzhals Konstantin Stavrakidis mit 3:1 ausgeschaltet und damit zum ersten Mal das Endspiel der Anfänger/U12-Konkurrenz erreicht. Nicht nur für Oli, sondern auch für Saskia war es die letzte Chance auf U12-Gold, dementsprechend heiß waren beide Finalisten auf den Sieg. Den besseren Start erwischte Saskia. Mit 2:0 Sätzen konnte sie in Führung gehen, sie sah bereits wie die sichere Vereinsmeisterin 2012 aus.
 

Was für eine Nervenleistung: Oliver Schuster (rechts) holte im Finale gegen Saskia Kurtzhals (links) einen 0:2-Satzrückstand auf und siegte am Ende mit 11:9 im Fünften.
 
Doch die Vereinsmeisterschaften und Oli sind einfach eine besondere Kombination. Der Zwölfjährige kam zurück. Oli schaffte den 2:2-Ausgleich und im fünften Satz dann die ganz große Sensation. Mit 11:9 besiegte der Junge, der seit vielen Wochen keinen Schläger mehr in der Hand gehabt hatte, der Junge, dem einmal mehr keiner etwas zugetraut hatte, seine Mannschaftskameradin Saskia und komplettierte damit im letzten Anlauf seine U12-Medaillensammlung - das grandiose Ende einer unglaublichen Geschichte. Im kleinen Finale bezwang Konstantin Tobias mit 3:0 und sicherte sich Bronze.
 

Starker Ausstand einer großen U12-Generation: (v.l.) Konstantin Stavrakidis (Bronze), Oliver Schuster (Gold) und Saskia Kurtzhals (Silber) krönten eine erfolgreiche Karriere im Anfängerbereich mit dreimal Edelmetall. Ab nächster Saison schlagen sie bei der U18 auf.
 
Simon Leißler